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und digitalen Bildkunst
 

  Das „Kabinettstück“[1] des Charles Wilp – Fotobücher „neu gelesen“, Folge 4
von Thomas Wiegand

Charles Wilp starb am 2.1.2005 im Alter von 72 Jahren. Der Name des Multitalents fehlt in den einschlägigen Fotografenlexika und in den wichtigen Monografien,[2] doch wenn man an die Werbung für den Käfer erinnert („Er läuft und läuft und läuft...“) oder an die „sexy - mini - super - flower - pop-op cola“, stellen sich sofort Assoziationen ein. Wilp war auf dem Höhepunkt seiner Karriere – 1972 – sogar offiziell eingeladener Documenta-Teilnehmer. Der Katalog der einflussreichen d5 offenbart, dass es für Wilp keinen Graben zwischen Kunst und Werbung gab: „Ich zeige offen die Praktiken des Verführens und lasse hinter die Kulissen schauen, wie es gemacht wird. Kommunikation ist Kunst, künstlerisch-politisches Mittel, das den kritischen Verbraucher schult auf die Ernsthaftigkeit. Es gibt keine leeren Versprechungen von Reichtum und Glück, sondern ich spreche die Menschen positiv an...“[3]

Wilp war ganz Pop-Künstler. Er war mit Koryphäen wie Yves Klein, Joseph Beuys oder Andy Warhol befreundet und verstand es, sich selbst in Szene zu setzen. Wilp war einer der ersten, der die Kreativarbeit an der Werbung aus der Anonymität herausführte und durch sein eigenes öffentliches Auftreten signierte.[4] Klappern gehörte speziell zu seinem Handwerk. 1968 erschien sogar eine Langspielplatte mit Musik in spacigem Big-Band-Sound: „Charles Wilp fotografiert Bunny“. Es gab unter dem Titel „Tanz der Leere“ eine weitere LP unter Wilps Namen; zur hören war auf ihr allerdings nichts. Dieses Werk dürfte entstanden sein in Anlehnung an die frühere Zusammenarbeit mit Yves Klein und Wilps Versuche, Leere zu fotografieren.[5]
In seiner besten Zeit als Werber hatte Wilp einen jährlichen Etat von immerhin 15 Mio DM zur Verfügung. Wilp machte zwar Werbung, strebte aber nach Höherem. Einerseits zur Kunst, angeregt durch seine Künstlerfreunde, andererseits zum Weltraum. Oder er verband beides und wollte eine permanente Documenta ins All verlegen. Die Kasseler Weltkunstausstellung gab Wilp 1972 den Ritterschlag zum Künstler und räumte ihm die (für seine damaligen Verhältnisse eher schlecht honorierte) Möglichkeit ein, einen Raum im Untergeschoss der Neuen Galerie zum Thema Werbung zu gestalten. „Natürlich bekommen Sie in meinem Raum das Knalligste, Irrealste und Gesuchteste an Anzeigen und Werbespots, was ich zu bieten habe.“[6] Der Name der Kasseler Weltkunstausstellung diente Wilp künftig immer wieder als Label für seine derzeit weitgehend noch unerforschte künstlerische Produktion als „Artronaut“, der mit NASA und ESA zusammenarbeitete und es geschafft hatte, Arbeiten auf die Weltraumstation MIR bringen zu lassen – um dann mit dieser zu verglühen.[7]

Doch Wilps „Space Art“ ist ein anderes Kapitel – zurück zu den irdischen Themen. Wilp hatte seit seines ersten Politikerportraits (Konrad Adenauer, 1953) immer wieder Gelegenheit gehabt, Politiker aller Parteien für Titelbilder von Capital, Stern oder den Spiegel zu fotografieren. Nachdem unter Willy Brandt die erste sozialliberale Koalition in Bonn an die Regierung kam, ergab sich für Wilp zu deren erstem Jahrestag die Möglichkeit, eine Sammlung von Portraits aller 16 Regierungsmitglieder zu produzieren. Das Honorar betrug angeblich 5000 DM pro Bild (zuzüglich Spesen).[8] Zumindest ein Teil der Bilder entstand – nach der gleichen Quelle – in Wilps Düsseldorfer Studio, der andere dürfte direkt in den Amtsräumen in den Ministerien aufgenommen worden sein.[9] Die Aufnahmen sind technisch simpel aufgebaut. Zur Beleuchtung diente Tageslicht von der Seite, der schwarze Hintergrund, gemeinsames Kennzeichnen aller Portraits, war auf einer mobilen Stativkonstruktion befestigt. Fast jedem Politiker hat Wilp ein bisweilen ironisch kommentierendes Attribut beigesellt: dem Landwirtschaftsminister einen roten Korb mit Kartoffeln, der Gesundheitsminsterin einen aufgespießten Krebs, dem Kanzleramtsminister modernste Bürogeräte, dem Minister für innerdeutsche Beziehungen eine Trillerpfeife und zwei Sportler, die in die Fahnen von DDR und BRD gehüllt sind. Georg Leber, der Post- und Verkehrsminister zugleich war, erhielt einerseits sein Pappdouble zur Begleitung, andererseits Telefone, Spielzeugautos, das Modell einer Concorde und einen altmodischen Reisekoffer.

Wilp spürte sehr gut, wen er vor sich hatte und teilte seine Modelle in heiße und kühle Typen ein: „Heiß ist ein Mensch, der eine starke Sinnlichkeit ausstrahlt“, erklärte Wilp damals und zählte neben Willy Brandt noch Helmut Kohl (und Elvis Presley) zu den heißen Typen, Helmut Schmidt eher zu den neutralen, immerhin aufladbaren, und Horst Ehmke zu den kühlen.[10] Brandts Attribut ist seine rechte Hand, die er dem Betrachter grüßend entgegenstreckt. Brandt war, Originalton Wilp, „so heiß, daß ich ihn nicht mit Beiwerk behängen konnte“[11] – was Brandt aufgrund früherer schlechter Erfahrungen mit einem Stern-Titelbild wohl auch gar nicht so gut gefunden hätte: „Nein, anfassen will ich nichts.“[12] Brandts skeptische Bemerkung nach seinem ersten Zusammentreffen mit Wilp: „Ich bin da doch tatsächlich von einem Verrückten photographiert worden. Jetzt bin ich gespannt, was daraus wird.“[13]

Die „Pop-Art-Portraits“ liegen jeweils in mehreren Varianten vor. Am bekanntesten wurden sie als Bestandteil des 1970 in Bonn-Bad Godesberg herausgegebenen Buches „Eilt! Bundeskanzleramt.“ Das von Wilps Agentin und „künstlerischer Beraterin“[14] Doris van Dorp mit Presse-Staatssekretär Ahlers verabredete und kongenial wie ein Akte gestaltete Buch erschien in einer Auflage von 10000 Stück und wurde von der „regierungsoffiziösen Public-Relations-Organisation“ Inter Nationes (= Goethe-Institut) herausgegeben.[15]
Das „Aktenstück“ war mit einem Siegel „STRENG GEHEIM“ verschlossen, das man erst öffnen musste, bevor man die Seiten aufblättern konnte. Das Siegel ist mit zwei freien Feldern bedruckt, die handschriftlich mit dem Namen des Empfängers des Buches und der Signatur des Fotografen ausgefüllt werden konnten. In dieser Weise dürften wohl einige dieser Bücher von Wilp so zwanglos wie ins Konzept passend signiert worden sein.

Die Druckqualität des klebegebundenen, dünnen und ziemlich großen Buches ist nicht perfekt, was wohl an den riesigen schwarzen Flächen liegt, worin die Farben der ziemlich stark vergrößerten Fotos unterzugehen drohen. Die Reproduktion der Doppelseiten ist ohne großen fototechnischen Aufwand wegen der dunklen Flächen und des spiegelnden Papiers nicht möglich; der Autor dieser Zeilen bittet daher um Verständnis für die mangelhaften Reproduktionen im illustrierenden Bildblog.

Der Band enthält neben den doppelseitig gedruckten Politikerportraits Texte mit der Charakterisierung von Person, Amt oder Aufgabenbereich. Diese sind entweder von einem Ich-Erzähler (Brandt, Jahn, Strobel) oder in einem eher offiziellen Verlautbarungsstil – wie es eigentlich von einer Amtsperson zu erwarten war – formuliert. Die Textautoren sind nicht genannt. Für alle Politiker wurden Geburtstag und Hobbys (Basteln, Gartenarbeit, schnelle Autos…) mitgeteilt, was diese vom Sockel unerreichbarer Prominenz in die Normalität des Betrachters holte. Am oberen Rand der Textseiten abgedruckte Filmstreifen zeigen Ausschnitte aus den Fotosessions – hatte Wilp seine Arbeit filmen lassen?

Einige Motive wurden mehrfach variiert. Walter Scheel wurde zunächst so fotografiert, als ob er soeben einer Miss Europa im Badeanzug zu ihrer Wahl gratulierte. Der Außenminister hat die Schärpen für die Miss Asien und die Miss Amerika so über den Unterarm gelegt, als ob er gleich noch weitere Damen auszeichnen werde. Der Politiker war über die Lockerheit und zugleich Weltläufigkeit symbolisierende Inszenierung begeistert: „Das ist ja fabelhaft, darauf habe ich lange gewartet.“ Wegen der „Würde seines Amtes“ gelangte schließlich ein Foto in die offizielle Veröffentlichung, das den Vizekanzler allein mit einer „unauffälligen Akte zeigt.“[16] Die ursprüngliche (und bessere) Aufnahme kam selbstverständlich doch noch an die Öffentlichkeit. Einerseits brachte der Spiegel dieses Bild im Rahmen seiner Berichterstattung über die Buchproduktion, andererseits verwendete Wilp diese und andere Varianten aus der Kanzleramtsserie für eigene Ausstellungen und Projekte.[17] Außerdem nutzte Wilp das brave Scheel-Portrait aus dem Kanzleramtsbuch weiter, indem er das Foto zu einem lebensgroßen, schwarzweißen Papp-Double verarbeitete und diesem ein lässiges Bikini-Girl in Helm und Stiefeln beigesellte.[18] Zu einer späteren Gelegenheit fand auch die Aufnahme des Entwicklungsministers mit einer überdimensionalen Banane und einigen kleinen Jutesäcken den Weg in die Öffentlichkeit. Diese Inszenierung hatte Erhard Eppler für den gedachten Zweck „entschieden“ abgelehnt, was Wilp aber nicht daran hinderte, die Aufnahme dennoch zu realisieren. Im Buch „Bundeskanzleramt“ zeigte sich der Minister – unter Verzicht auf die Kulissenbanane – in einer biederen „beigefarbigen Safari-Jacke.“[19]

Einige Bilder für das „Bundeskanzleramt“ scheint Wilp schon vorher im Fundus gehabt zu haben (Alex Möller)[20], andere aus dieser Serie, wie die Variante von Hans-Dietrich Genscher als obersten Umweltschützer mit einer Sprayflasche, scheinen erst später, im Zusammenhang mit der 1972 gezeigten Ausstellung „Die jungen Männer von Bonn“ über die führenden Politiker der Bundesrepublik, entstanden zu sein.[21]

Unter den von Wilp fotografierten Politikern waren nicht nur die Regierenden einschließlich Bundespräsident Lübke,[22] sondern auch Oppositionsmitglieder wie Helmut Kohl oder Franz-Josef Strauß. Ziel war und blieb dabei, die Politiker als Menschen zu zeigen, sie vom Podest zu holen, ganz im Sinne Willy Brandts Aufforderung von 1969, mehr Demokratie zu wagen. Wilps Credo als Werbemann („Man muß den Leuten etwas vorsetzen, das sie nicht verstehen“[23]), hatte für seine populären Politikerportraits keine Gültigkeit.
Die Aufnahmen aus dem „Bundeskanzleramt“ haben durch ihre schlichten Kompositionen nichts von ihrem Charme verloren. Überraschend ruhig und altmeisterlich geht es hier zu. Das sich ein Vergleich mit Rembrandts raffinierter Darstellungsweise aufdrängt, mag Wilp sehr recht gewesen sein: „Ich nahm immer große Vorbilder.“[24] Die Serie ist ein kongenial dem seriösen Sujet angepasstes Beispiel für Wilps Methode, Werbung zum Genuss zu machen, die Erlebnisbatterien des Verbrauchers neu aufzuladen. Wilp war ein Meister der Inszenierung, der psychologischen Erfassung einer Situation und – unter Berücksichtigung der Interessen von Modell, Auftrag und eigenem Konzept – dem kreativen Ziehen der richtigen Schlüsse daraus. In den 60er-Jahren lag er damit nicht nur genau im Tend, sondern wies dem Zeitgeist die Richtung. Irgendwann während der Arbeit an den Politikerportraits erlaubte sich Wilp eine Reihe ironisch inszenierter Selbstportraits, die ihn selbst als Kandidaten in einem fiktiven Wahlkampf zeigen, dynamisch voranschreitend auf dem Weg zur Kanzlerschaft, unterstützt von reizenden Wahlhelferinnen…
Dass Wilp mit abnehmendem geschäftlichem Erfolg und zunehmendem Verlieren des roten Zeitgeist-Fadens als „Gag-man“[25] und „Werbe-Clown“[26] in gelb-weißem Outfit seiner Linie als Exzentriker treu blieb, mag so tragisch wie bewundernswert sein. „Irgendwann fragt man sich natürlich: Glaubt Charles Wilp an seinen eigenen Rausch, die ganze Euphorie, den ganzen Zauber?“[27] Ja, er glaubte daran. Noch 1976 versuchte er, in einem langen Artikel in der Zeitschrift „Das Parlament“ die Politiker und deren Berater von seinen Ideen einer positiven Beeinflussung durch Ozon-Therapien, Feromone, Climiner-Geräte und einer bioklimatischen Aufladung der Luft – wie schon 1968 bei Ministerpräsident Stoltenberg angewendet[28] – zu überzeugen und empfahl den Computer zu einer objektiven, von Stimmungen der Berater befreiten Image-Analyse.[29] Bei der Lektüre seines 1976 veröffentlichten Credos zur medialen Darstellung der Prominenz wird sehr deutlich, dass der Werbefachmann nicht nur etwas von Massenpsychologie verstand, sondern spürte, daß sich in der Medienöffentlichkeit gravierende Änderungen anbahnten: „Image und Erfolg hängen eng zusammen. Im Zeitalter der Technik sind neue, zeitgemäße Dimensionen zu berücksichtigen, der Fortschritt, die Zukunft, hat auf diesem Gebiet gerade erst begonnen.“[30] Mit der Ankündigung „Ich passe weiterhin auf die Prominenz auf“ schließt der Artikel selbstbewusst – und ohnmächtig. Denn es war kaum mehr jemand da, der noch den Beistand des Meisters gebraucht hätte.[31] Die Ära der Pop-Art-Fotografie Wilpscher Prägung scheint zu diesem Zeitpunkt vorbei gewesen zu sein.

Wilp steckte Geld, Energie und Euphorie in andere Projekte. Er wandte sich wieder verstärkt der Kunst zu, begleitete Joseph Beuys an einen kenianischen Strand,[32] verpackte – möglicherweise in Anlehnung an eine selbst miterlebte documenta 5-Aktion von Harry Kramer[33] – die Köpfe prominenter Zeitgenossen in kanadischen „Ur-Lehm“ und deklarierte die Fotos der zugekleisterten Häupter zu „Fotoskulpturen.“[34] Dies geschah unter anderem vor den Toren der documenta 6 auf dem Friedrichsplatz in Kassel und war „ein Spaß für die Zuschauer, für die Fotografen ein Fest und die Beteiligten eine höchst werbewirksame Aktion.“[35] Und Wilp fotografierte weiter, jedoch nur noch auf Randschauplätzen wie in indischen Ashrams oder auf Aachener Baustellen.[36]

2005 hatte das Kasseler Fotoforum zu Ehren von Wilp eine kleine Ausstellung zur der „coolen“[37] Bundeskanzleramtsserie durchgeführt. Es war gerade Bundestagswahlkampf und zur Eröffnung sprach der damalige Finanzminister Hans Eichel. Es ging damals nicht darum, die Veröffentlichung von 1970 zu rekonstruieren. Dies wäre auch ohne Weiteres gar nicht mehr möglich gewesen, da die meisten Originaldias aus der Serie „Bundeskanzleramt“ nicht im Nachlass der „Legende des Gewerbes“[38] in Berlin enthalten sind. Es sollte vielmehr aus damals aktuellem Anlass in Form einer kleinen Hommage an die vielleicht beste Arbeit des Fotografen erinnert werden. Wir hatten seinerzeit eine kleine, nach Originaldias hergestellte Edition mit 10 Politikerbildern und Textbeilage hergestellt.[40] Diese Edition war schnell vergriffen. Deshalb wurde der Text zur Editon in der hier vorliegenden, überarbeiteten Form nochmals publiziert.

Thomas Wiegand



Bibliografische Daten zum Buch:
Charles Wilp (Fotos), Doris van Dorp (Idee und Ausführung), Bundeskanzleramt, Inter Nationes Bad Godesberg 1970, illustriertes Softcover als Akte mit einem Umschlag in Form einer Klappmappe gestaltet, innen mit Geheimhaltungssiegel, 64 Seiten im Format 35 x 28,5 cm, 16 farbige und weitere Abbildungen in Form von Filmstreifen, Auflage 10000 Exemplare

Die Fotos in der Reihenfolge wie 1970 im Buch ”Bundeskanzleramt“ abgedruckt:

Willy Brandt (1913-1992), Bundesminister des Auswärtigen 1966-69, Bundekanzler 1969-74, Attribut: ausgestreckte Hand

Walter Scheel (* 1919), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit 1961-66, Bundesminister des Auswärtigen und Vizekanzler 1969-74, Bundespräsident 1974-79, Attribut: Akte, Alternative: Miss Europa

Hans-Dietrich Genscher (*1927), Bundesminister des Inneren 1969-74, Bundesminister des Auswärtigen und Vizekanzler 1974-92, Attribut: Olympiawerbung für München 1972, spätere Alternative: rote Sprühflasche (Zuständigkeitsbereich Umweltschutz)

Gerhard Jahn (1927-1998), Bundesminister der Justiz 1969-74, Attribut: zerbrochenes schwarz-rotes Paragraphenzeichen

Alex Möller (1903-1985), Bundesminister der Finanzen 1969-71, Attribut: je ein gelb und rot gekleidetes Mädchen schmachten den Minister im schwarzen Anzug an, dieser jedoch behält die Hände in den Taschen

Karl Schiller (1911-1994), Bundesminister für Wirtschaft 1966-72, zusätzlich Finanzminister 1971-72, Attribut: Visitenkarte mit Markstück, Variante: ohne Attribut

Josef Ertl (1925-2000), Bundesminister für Ernähung, Landwirtschaft und Forsten 1969-83, Attribut: roter Korb mit Kartoffeln

Walter Arendt (1925-2005), Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung 1969-76, Attribut: Bauhelme (verschiedene Varianten)

Helmut Schmidt (* 1918), Bundesminister der Verteidigung 1969-72, Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen 1972, Bundesminister der Finanzen 1972-74, Bundeskanzler 1974-82, Attribut: Laufmappe

Käte Strobel (1907-1996), Bundesminister (so!) für Jugend, Familie und Gesundheit 1966-1972, Attribut: Ärztekittel und aufgespießter Krebs

Georg Leber (* 1920), Bundesminister für Verkehr und für das Post- und Fernmeldewesen 1966-72, Bundesminister der Verteidigung 1972-78, Attribute: Kopfhörer, Mikrofon, Telefone, Koffer, Fahrzeugmodelle, ein hermenartig gesockeltes schwarzweißes Pappdouble

Lauritz Lauritzen (1920-1980), Bundesminister für Städtebau und Wohnungswesen 1966-1974, ab 1972 zusätzlich Bundesminister für Verkehr, Attribut Lineal und Maurerkelle

Egon Franke (1913-1995), Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen 1969-82, Attribute: rote Trillerpfeife, hinter ihm zwei Sportler-Figuren mit den Flaggen von BRD und DDR als Umhänge

Hans Leussink (1912-2008), Bundesminister für Bildung und Wissenschaft 1969-72, Attribut: Overall, Forschungsbericht, Edelstahlmodell

Erhard Eppler (* 1926), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit 1968-74, Attribut: Safarijacke, Alternative: überdimensionale Banane und (Kaffee?)Säcke

Horst Ehmke (* 1927), Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes 1969-72, Minister für Wissenschaft, Post, Fernmeldewesen 1972-74, Attribut: drei moderne Büromaschinen (Computer?)

Weiterhin hatte Wilp in diesem Stil Portraits angefertigt von u.a.

Katharina Focke (* 1922), parlamentarische Staatssekretärin im Bundeskanzleramt 1969-72, Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit 1972-76

Heinz Kühn (1912-1992), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen 1966-1978 und Joseph Beuys (1921-1986), Künstler

Ernst Benda (1925-2009), Verfassungsrichter (Präsident des Bundesverfassungsgerichts 1971-83), Attribut Skelett und schließlich auch von sich selbst.



Anmerkungen:

1 Nach einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung, zitiert von Alfred Schüler, Verführer zwischen Alphastrahlen, in: Deutsche Zeitung, 21.9.1973

2 Ausnahmen: Jörg Krichbaum, Lexikon der Fotografen, Frankfurt 1981; Deutsche Fotografie – Macht eines Mediums 1870-1970, Köln 1997 (Ausstellungskatalog Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Bonn)

3 Documenta 5. Befragung der Realität – Bildwelten heute, Kassel 1972, Kapitel 6.2 im Ausstellungskatalog. Wiederabdruck in: Charles Wilp, 777777 – Die Fülle und die Leere, Düsseldorf 1974 (Ausstellungskatalog Kunsthalle Düsseldorf)

4 Wolfgang Schepers (Hg.), '68 – Design und Alltagskultur zwischen Konsum und Konflikt, Köln 1998, S.144f.

5 Der Spiegel 49/1969, S.224

6 Wilp am 19.8.1971 in einem Antwortbrief an Harald Szeemann, der genau dies, nämlich das „Knalligste, Irrealste und Gesuchteste“ von Wilp wollte (Szeemann an Wilp, 9.8.1971, beide Briefe im Documenta-Archiv Kassel, Akten zur d5, Mappe 111).

7 vgl. wilp.crosx.net/

8 Schüler 1973 (wie Anm.1)

9 Der Spiegel 9/1970, S.188 zum Foto mit Finanzminister Alex Möller

10 Schüler 1973 (wie Anm.1)

11 Schüler 1973 (wie Anm.1)

12 Der Spiegel 30/1968, S.110

13 wie Anm. 12

14 Der Spiegel 23/1969, S.182, zu einem Foto von Erich Mende auf einem Rennrad

15 Der Spiegel 33/1970, S.28f., zur Entstehung von Bildern und Buch

16 Spiegel 33/1970, S.29

17 Wilp 1974 (wie Anm.3); Charles Wilp, Dazzledorf – Vorort der Welt, Dreieich o.J. (1979)

18 abgedruckt in: Raymund Heller, Kunst ist Werbung. Hommage an Charles Wilp, Düsseldorf 2005

19 Der Spiegel 33/1970, S.28

20 Alex Möller, fotografiert für ein Titelbild von Capital, Der Spiegel 9/1970, S.188

21 Der Spiegel 18/1972, S.178. Ausstellung im April/Mai 1972 im Ministerium für Städtebau und Wohnungswesen, Bonn. 1997 war Wilp an einer Ausstellung Politikerportraits von Adenauer bis Gorbatschow an der Harvard University in den USA beteiligt.

22 Der Spiegel 11/1968, Titelbild

23 Barbara Basting, Des Denkmals neue Kleider, in: FAZ 12.5.1989 (zu einer Ausstellung mit Skulpturen von Charles Wilp)

24 Helga Meister, Fotografie in Düsseldorf, Düsseldorf 1991, S.154

25 Der Spiegel 33/1970, S.28

26 Capital 11/1975, S.249 („Geheimnisträger. Fotograf Charles Wilp drängelt ins Nahostgeschäft“)

27 Schüler 1973 (wie Anm.1)

28 Der Spiegel 21/1968, S.166

29 Charles Wilp, Image – Suggestion und Wunschbild, in: Das Parlament, 26.Jg., Nr.34-21.8.1976, S.14

30 Wilp 1976 (wie Anm.29) – Wilp hatte sich bereits Ende der 60er-Jahre um den Einstieg in das werbefinanziertes Privatfernsehen bemüht!

31 vgl. Der Spiegel 39/2004, S.147

32 zwei Editionen: Joseph Beuys/Charles Wilp, Sandzeichnungen, Stuttgart 1978; Charles Wilp, Down Twenty-Four South (Joseph Beuys, Sandzeichnungen in Diani), Frankfurt/Paris 1980

33 Harry Kramer, Ein Frisör aus Lingen, Freren 1990, S.191 und Wilp 1974 (wie Anm.3)

34 Floris M. Neusüss (Hg.), Photography as Art – Art as Photography 2, Kassel 1977, S.152ff.

35 Hessische Allgemeine (Kassel), 4.7.1977

36 Charles Wilp/Saras Wati, Freiheit empfinden – Meditation in Indien, Düsseldorf 1978; Charles Wilp/Werner Hofmann, 60 Jahre Martin Peters Bauunternehmung GmbH, Aachen 1984 (Festschrift)

37 Christoph Schaden in seinem Nachruf auf Wilp in Photonews 3/2005, S.13

38 Ralf Schlüter, Die größte Kampagne des Charles Wilp, in: Art 9/2002, S.46

39 siehe: http://
www.kasselerfotoforum.de/index.phpcat_id=5&parent_id=&article_id=25

07.07.2009