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  Texte und Dokumente - Werkstatt für Photographie - Folge I - Basistexte auf fotokritik.de
von Thomas Leuner

Folge I - Basistexte auf fotokritk.de

Im Zusammenhang mit dem Berliner Fotografen Michael Schmidt (1946–2014) wurde immer von der legendären Werkstatt für Photographie gesprochen, die er als Gründer und Lehrer wesentlich geprägt hat. Bis auf wenige Insider konnte niemand erklären, warum diese von 1976 bis 1986 in Berlin-Kreuzberg bestehende Fotoschule eine besondere Bedeutung für die deutsche Fotografie-Geschichte haben sollte.

Dank der Initiative des Fotokurators Thomas Weski hat sich das nun grundlegend geändert. Zusammen mit der Galerie C/O Berlin, dem Museum Folkwang Essen und dem Sprengel Museum Hannover hat Weski 2016 in drei parallelen Ausstellungen einen ersten umfassenden Einblick in die Bedeutung und Ausstrahlung der Werkstatt für Photographie gegeben. www.co-berlin.org/werkstatt-fuer-photographie-1976-1986

Die öffentliche Resonanz auf diesen Ausstellungsparcours war groß – vor allem auch wegen der umfangreichen historischen Recherchen der Kuratoren Florian Ebner, Felix Hoffmann, Inka Schube und Thomas Weski, die neue Sichten auf die deutsche Fotogeschichte der 70er- und 80er-Jahre eröffneten.

Eine der Einsichten der Kuratoren spitzte sich in der Behauptung zu, eine ehemalige VHS-Institution hätte eine ähnliche Ausstrahlung gehabt wie die Düsseldorfer Schule der Bechers oder andere deutsche fotografische Positionen der damaligen Zeit.

Um diesen neuen Blick auf die deutsche Fotogeschichte publizistisch zu unterstützen, hat sich die Redaktion von fotokritik.de entschlossen, bisher schwer zugängliche Texte und Dokumente zur Werkstatt für Photographie auf fotokritik.de zusammenzufassen und wichtige Artikel zu diesem Thema, die nur als gedruckte Ausgabe vorliegen, online zugänglich zu machen.

In dieser ersten Folge wird eine Übersicht über die Beiträge gegeben, die bereits auf fotokritik.de erschienen und in den zeitlichen Kontext der Werkstatt für Photographie einzuordnen sind.

1. Die Ausstellung „DDR-Fotografie“ der Galerie der Werkstatt für Photographie, 1985

Eine der überraschendsten Einsichten in die Komplexität deutsch-deutscher Fotogeschichte ermöglichte die kuratorische Entscheidung des Teams Weski/Hoffmann, fotografische Positionen aus der ehemaligen DDR in das Ausstellungskonzept zu integrieren. Diese Öffnung des Bildhorizonts ergab sich fast logisch aufgrund der engen Kontakte Michael Schmidts und der Werkstattdozenten zu Künstlerkreisen um den Fotografen und Pädagogen Arno Fischer in Ostberlin, mit denen man die Faszination für die zeitgenössische amerikanische Fotografie teilte.

Aus diesen Kontakten entstand 1984/1985 ein Ausstellungsprojekt, das im Wesentlichen von Gosbert Adler und Wilmar König verantwortet wurde, aufgrund zensurähnlicher Einsprachen der DDR-Behörden als Ausstellung aber nicht zustande kam. Geblieben ist der Katalog „DDR-Fotografie“ mit Bildern der Fotografen Christian Borchert, Thomas Florschuetz, Wolfgang Gregor, Rudolf Schäfer, Gundula Schulze, Ralf-Rainer Wasse und Ulrich Wüst.

In einem Gespräch mit Thomas Leuner für fotokritik.de gibt Gosbert Adler einen authentischen Einblick in die damaligen Ereignisse um die Ausstellung, das Konzept, die Auswahl der Fotografen und die daraus entstandenen künstlerischen Kontakte. Das 2010 online gestellte Gespräch zeigt, wie umfangreich die informellen Ost-West- und West-Ost-Kontakte damals waren und dass man sich auch künstlerisch zur Kenntnis nahm. www.fotokritik.de/index.php?art=117

2. Krupp und die zeitgenössische deutsche Fotografie der 70er- und 80er-Jahre

Die Kuratorin und jetzige Sammlungsleiterin des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg, Esther Ruelfs, veröffentlichte im Jahr 2003 den Artikel „Zeitgenössische Deutsche Fotografie. Stipendiaten der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung“, der im Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum Folkwang abgedruckt wurde. 2010 erschien der Artikel auf fotokritik.de online.

Noch heute besitzt er eine Schlüsselfunktion für das Verständnis der BRD-Fotografie Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre. Denn in den Fotoarbeiten der Krupp-Stipendiaten spiegelt sich der Aufbruch der neuen deutschen Fotografie als Teil des künstlerischen und kulturellen Umbruchs der frühen 80er-Jahre gut wider. Der dort formulierte ehrgeizige Realismusanspruch, gepaart mit einer radikalen Experimentierlust, schuf das bildnerische Fundament für die nachfolgenden Fotografen- und Künstlergenerationen. Es werden neue Wege beschritten, um das Medium – über das gemäldegleiche Einzelbild hinaus – inhaltlich und formal auszureizen. www.fotokritik.de/index.php?art=120

3. Die Fotografie-Zeitschrift „Camera“ – die fliegende Galerie

Nach heutigen Maßstäben bleibt es ein Rätsel, wie damals überhaupt eine Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie möglich war – ganz ohne Internet, ohne Fotobuchmarkt und ohne Fotografien in Galerien und öffentlichen Ausstellungshallen. Auf welchem Wege kamen die Informationen über neue fotografische Positionen aus dem Ausland, besonders über die zeitgenössische amerikanische Fotografie der 60er- und 70er-Jahre, nach Europa und Deutschland?

Die Beantwortung dieses Fragenkomplexes hat sich der von Inka Schube verantwortete Teil des Ausstellungszyklus im Sprengel Museum Hannover mit dem Titel „Und plötzlich diese Weite“ zur Aufgabe gemacht. „Der Held der Jahre“ ist Allan Porter, so formuliert es die Kuratorin im Katalog zur Ausstellung (siehe unten). Er war von 1966 bis 1981 Chefredakteur der im Luzerner Bucher Verlag erschienenen Zeitschrift „Camera“, deren publizistische Besonderheit der außerordentlichen drucktechnischen Qualität von Bildern galt. Für Allan Porter hatte „Camera“ die Funktion eines Museums ohne Wände, einer gedruckten und überall zugänglichen Galerie. Durch die relativ hohe Auflage und den Vertrieb im allgemeinen Zeitschriftenhandel war die publizistische Wirkung von „Camera“ auf die Kunst- und Fotoszene der damaligen Zeit enorm.

Bereits 2007 hat sich die Schweizer Kulturjournalistin Nadine Olonetzky intensiv mit Allan Porter, der Bedeutung der Zeitschrift „Camera“ und dem damaligen kulturellen Umfeld auseinandergesetzt.

2008 wurden auf fotokritik.de drei Beiträge zum Thema „Camera“ und Allan Porter veröffentlicht:

Ein Extrakt aus „Ein Amerikaner in Luzern. Allan Porter und ‚camera‘ – eine Biografie“ von Nadine Olonetzky (2007). www.fotokritik.de/index.php?art=37

Ein Gespräch mit der Autorin über diese Publikation und deren Umstände. www.fotokritik.de/index.php?art=36

Der Bildblog „Blättern in Camera“ mit Anmerkungen von Thomas Leuner, der die besondere Druckqualität der Zeitschrift deutlich machen soll und Einblick in die Hefte zur neuen amerikanischen Farbfotografie, zu Diane Arbus und zur afrikanisch-lateinamerikanischen Fotografie gibt. www.fotokritik.de/index.php?art=45

4. Die Werkstatt für Photographie – eine interne Westberliner Recherche

Die fotografischen Traditionen der Werkstatt für Photographie waren nach ihrer Schließung im Jahr 1986 nicht aus dem Bewusstsein der Fotoszene verschwunden. Besonders in Berlin setzten sich die Dozenten um das Fotozentrum der Volkshochschule Kreuzberg sowie der Berliner Fotohistoriker Enno Kaufhold intensiv mit dem Erbe der Werkstatt auseinander und stellten durch umfangreiche Recherchen die wesentlichen Fakten des Wirkens dieser Institution zusammen.

Bisheriger Höhepunkt dieser Bemühungen, die Werkstatt von einer legendären in eine faktisch nachvollziehbare Institution zu überführen, war die Ausstellung „Bildwechsel – Fotografie nach der Werkstatt für Photographie“, die im Kunstquartier Bethanien im April 2016 gezeigt wurde. Dazu erschien im Zimmer Verlag ein Katalog mit umfangreichen Texten zur Geschichte der Werkstatt.

Dank der Unterstützung des Herausgebers der Monografie, Peter Fischer-Piel, konnten zwei Beiträge aus diesem Ausstellungskatalog auf fotokritik.de online gestellt werden: Das ist zum einen Peter Fischer-Piels Artikel „Bildwechsel – Fotografie nach der Werkstatt für Photographie“, in dem umfassende Fakten der Institution zusammengetragen sind. www.fotokritik.de/index.php?art=195

Der zweite Beitrag ist ein Interview mit Thomas Leuner, in dem er über seine damalige Dozententätigkeit und die besonderen kulturpolitischen Auseinandersetzungen bei der Schließung 1986 berichtet. www.fotokritik.de/index.php?art=179



Zitierte Publikationen

Ebner, Florian; Hoffmann, Felix; Schube, Inka; Weski, Thomas (Hrsg.): Werkstatt für Photographie 1976–1986. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2016.
Darin: Schube, Inka: Uns trennt von Gestern kein Abgrund, sondern die veränderte Lage!, hier S. 347.

Fischer-Piel, Peter (Hrsg.): Bildwechsel. Fotografie nach der Werkstatt für Photographie. Zimmer Verlag, Berlin 2016.

Olonetzky, Nadine: Ein Amerikaner in Luzern. Allan Porter und „camera“ – eine Biografie. Pro Libro, Luzern 2007.

20.10.2017

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Schlagworte: Werkstatt für Photographie, Thomas Leuner, Inka Schube, Thomas Weski, Felix Hoffmann, Florian Ebner, Michael Schmidt, DDR-Fotografie, Esther Ruelfs, Krupp-Stipendien, Camera, Allan Porter, Nadine Olonetzky, Enno Kaufhold, Peter Fischer-Piel
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