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  Vom Lernen und Entlernen. Fotografie und Fotokunst auf der documenta 14 in Kassel. - Seite 6


Fotografie allerdings kommt aber auf der d14 häufig vor, vor allem als Dokument. Zum Beispiel in Form einiger Bilder aus den zwanziger Jahren, die Tina Modotti in mexikanischen Landwirtschaftsschulen aufgenommen hat. Es geht dabei nicht um die berühmte Fotografin oder um das Wie ihrer Fotos, sondern um das, was sie aufgenommen hatte, eine Art Utopie, eine Hoffnung auf ein besseres Leben. Weiter ausgeführt wird das freilich nicht. Bei etlichen Werken dienen Fotos der Vergegenwärtigung von Vorstudien oder Vorzuständen, gehören zum Konzept bzw. sind Bestandteil eines Gesamtwerks. Nur gelegentlich sind Fotos als autonome Arbeiten zu sehen (zum Beispiel im Fridericianum ein Wiedersehen mit Alan Sekulas „Fishstory“ von der documenta 11; drei Geldautomaten aus der Serie „Busts“ von Manolis Baboussis; „Nisyros“ mit fotografierenden Strandbesuchern von Panos Kokkinias, alle drei Arbeiten aus dem Bestand des EMST). Von dort stammt auch die mit einer kontinuierlichen Performance verbundene Installation „Precarious Archive“ von Stefanos Tsivopoulos mit Fotos zur Geschichte Griechenlands 1963-2002. Dazu der Künstler im Text des Erläuterungsschilds: „Diese Sammlung konstituiert ein idiosynkratisches Archiv, das auf untypische archivarische Strategien anspielt, Repräsentationsmethoden in Frage stellt, über Bilder als vieldimensionale, von der Ökonomie angetriebene Hyper-Waren nachdenkt und schließlich die Idee der Sichtbarkeit in unseren mediatisierten Demokratien befragt“. Das hätte man mit „einfachen Worten“ niemals so überzeugend ausdrücken können.

Im Palais Bellevue wird eine Serie urtümlicher Heuhaufen gezeigt, die Lala Meredith-Vula im Kosovo und Albanien fotografiert hat, eine Typologie zufälliger Begegnungen mit den behutsam zum Trocknen des Grases aufgetürmten temporären Skulpturen, wie sie hierzulande durch die Mechanisierung der Landwirtschaft schon lange nicht mehr zu sehen sind. Großartig in den Konstellationen, im genauen Treffen des Momentums, sind die Fotos von Hans Haacke von der 2. documenta 1959, die zur historischen Abteilung der d14 gehören (die ansonsten in der Neuen Galerie ihren Platz hat). Haackes im Flur des Fridericianums hängenden Kontaktbögen (warum diese eigentlich?), vor allem daraus ausgewählte Vergrößerungen zeigen Publikum, Künstler und Kuratoren, wie sie der damalige Kunststudent erlebte. Akinbode Akinbiyi spürt (sogar in Kassel und Hamm/Westfalen!) dem urbanen Leben nach; seine in 12er-Blocks zusammengefassten Schwarzweißfotos sind im Ottoneum zu sehen.

11.06.2017

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