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und digitalen Bildkunst
 

  Vom Lernen und Entlernen. Fotografie und Fotokunst auf der documenta 14 in Kassel.
von Thomas Wiegand

Bilder: www.fotokritik.de/imgblog_39.html

Trotz aller Verdienste um das Medium (1977!) ist die documenta selbstverständlich und wie immer keine Fotoausstellung. Aber Fotografie ist auch auf der 14. Ausgabe der Weltkunstschau in Kassel vertreten, sogar mehr, als zu erwarten war. Die documenta ist dieses Mal größer denn je, denn mit Athen wurde ein zweiter Ort gewählt unter dem Motto: „Learning from Athens“. Dieses Motto ist sinngemäß von einem berühmten Architekturbuch bekannt (Robert Venturi, „Learning from Las Vegas“, 1972) und meint, dass man in Athen, auf dem Boden antiker Kultur, geradezu schmerzhaft spüren kann, wie sich die Verwerfungen globaler Politik auf die Menschen auswirken. Die Kuratoren haben darauf reagiert und eine ambitionierte Programmstruktur gewoben, die möglichst unhierarchisch, antikolonialistisch, marktfern sein und für eine gewisse Widerständigkeit stehen soll. Das Kuratorenteam bietet einiges auf, um von einem gefestigten theoretischen Fundament die Ausstellung aufbauen zu können und eine passende Atmosphäre zu schaffen. Das Schlagwort heißt nicht Lernen, sondern Entlernen, um die Kunst unmittelbar auf sich wirken zu lassen, ohne dass zu viel Information und Interpretation den Weg zu Reflexion und Erkenntnis verstelle.

Die Ausstellung mag Kunst in ästhetisch rand- und widerständigen Formen dokumentieren und in den Mittelpunkt stellen, aber das Ausstellen an sich wird nicht hinterfragt und ist konventionell mit Rahmen, Vitrinen und aufmerksamen Ordnern, die wie üblich darauf achten, dass die Objekte nicht vom Betrachter begriffen werden. Allein durch die absichtsvoll bunt vermischte Anordnung der einzelnen Beiträge Verwirrung oder auch Querbezüge zu stiften ist noch keine Innovation. Letztendlich wird doch wieder Vermittlung betrieben: Die Ausstellungsführer sind hier ein „Chor“, der „Spaziergänge“ statt Führungen anbietet, die (in den ersten drei Tagen teils noch nicht komplett vorhandenen) Namens- und Erläuterungsschilder gehören zu den am meisten fotografierten Objekten in der Ausstellung. Katalog (bestehend aus „Daybook“ und dem eigentlichen Exponatenverzeichnis „Map Booklet“) und Website bieten weitere, zuweilen bitter nötige Informationen, wenn auch im „Daybook“ nicht alphabetisch geordnet, sondern nach den 163 Tagen der Dauer der Ausstellung in Athen und Kassel. Wie passt das zur Idee des „Entlernens“? Kann man nicht allein auf die Offenheit der Besucher vertrauen, das Große Ganze zu verstehen? Trotz aller Freiheit, die man sich nimmt und die man für die Kunst reklamiert (bis hin zur Umbenennung der Holländischen Straße auf dem Ausstellungsplan), zeigt sich, dass die von der öffentlichen Hand subventionierte Ausstellung nicht frei von „Sachzwängen“ agieren kann.

Die d14 kann, wenn sie will, nicht nur anstrengend, sondern richtig populär sein. Der schmucke Büchertempel von Marta Minujin auf dem Friedrichsplatz wird jetzt nachts dekorativ beleuchtet! „The Parthenon of Books“ funktioniert perfekt als Hingucker und Treffpunkt und bietet gleichzeitig zum Thema Zensur ein politisch korrektes Konzept, das die Bevölkerung und die Kasseler Uni über Bücherspenden einbezieht. Im Fridericianum, sonst das Herz der Ausstellung, wird eine Art Retrospektive moderner Kunst unter besonderer Berücksichtigung Griechenlands geboten, denn hier werden vor allem Arbeiten aus dem Bestand des Museums EMST in Athen ausgestellt, ein Haus, das aufgrund der finanziellen Krise bislang nicht eröffnet werden konnte. Spannender sind da die beiden anderen großen Ausstellungsorte Neue Galerie und die „Neue Neue Galerie“ in dazu umgenutzten Fahrzeughallen und kleineren Räumen des Hauptpostamtes.

Die Ausstellung wendet sich gegen ein kleinbürgerliches Verständnis von Lernen, nach dem „alles, was man nicht in wenige, einfache Worte packen kann, gefährlich oder bedrohlich ist“ (so sagte es der künstlerische Leiter Adam Szymczyk am 2.4.2017 im Deutschlandfunk (www.deutschlandfunk.de/documenta-kurator-adam-szymczyk-die-kunst-hat-eine.911.de.html?dram:article_id=382838). Ein gewisser Rest des „Nicht-Verstehens“ sei „fundamental für die Erfahrung von Kunst“. Wenn man denn bereit ist, sich darauf einzulassen und die vielen, vielen Brocken, die die Kuratoren ausstreuen, aufzupicken. Ein wenig Brüder Grimm oder etwas aus der Familie Gurlitt? Wie wär´s mit dem Godesberger Programm der SPD? Oder mit einer Zeichnung der Akropolis von Theodor Heuss, mit erschütternden Dokumenten aus dem künstlerischen Schaffen des nach einem Unfall armlosen Lorenz, später Lorenza Böttner? Was sagt mir das stramme Training von Unterschenkelamputierten (Filminstallation von Artur Zmijewski)? Immer wieder tauchen Masken in Filmen (Samnang Khvay im Ottoneum), auf Fotos (Gauri Gill im Landesmuseum) oder als Objekte (Beau Dick, documenta-Halle) auf oder in fast ethnographischer Herangehensweise werden Handwerk und Gebräuche bestimmter Gegenden thematisiert, wobei Olaf Holzapfel sogar auf den Fachwerkbau eingeht. Neben Masken kommen auch Fahnen bzw. Fahnenartiges und vor allem Bücher sehr häufig vor, natürlich in der Grimmwelt, wohin das so gut passt wie ein wenig Volkskunde ins Landesmuseum, etwas Natur ins Naturkundemuseum und Arbeiten über Liebe und Tod in das Museum für Sepulkralkultur. Maria Eichhorn beschäftigt sich in ihrem aufwändig installierten „Rose Valland Institut“ (Neue Galerie) mit von den Nationalsozialisten geraubter Kunst und präsentiert u.a. ein turmartiges Regal voller „unrechtmäßig aus jüdischem Eigentum erworbene[r] Bücher“ aus der heutigen Zentral- und Landesbibliothek Berlin, den Bildband „Witnessing the Robbing of the Jews“ von Sarah Gensburger (2015) sowie eine von den Besuchern benutzbaren Handbibliothek zum Thema Raubkunst und Holocaust (www.rosevallandinstitut.org). In der Torwache stehen zwei schmale Regale mit „speziell ausgewählte[r] Fachliteratur aus dem Bereich Tanz und Performance“ (www.lesgensduterpan.com/proj_bibliotheque_uk.html), die zum Beitrag von Annie Vigier und Franck Apertet gehören.

Bücher und andere Drucksachen finden sich, vor allem in der Neuen Galerie, immer wieder in Vitrinen als Beleg für dieses und jenes – von der Kasseler revolutionären Zeitschrift „Hornisse“ (1850) über ein Heft mit Zeichnungen „Hungry Bengal“ (1943) oder den Band „Divine Horsmen: Living Gods of Haiti“ (1953). Es gibt noch andere Zeugnisse von historischen oder künstlerischen Ereignissen bis hin zu einem Objekt von Marcel Broodthaers („Magie“, 1973) und einer Materialsammlung von und zu Annie Sprinkle. Das alles könnte Nachforschungen anstoßen, dürfte aber ansonsten leicht im Strudel der Masse an Werken übersehen werden. Dieses Aufblitzen formuliert das gedankliche Spektrum der Ausstellung nicht aus, sondern reißt es nur an.

Immerhin ein Fotobuch ist zu entdecken, nämlich die „Kriegsfibel“ (1955) von Bertolt Brecht als unscheinbarer Teil einer Installation von Daniel Garcia Andujar („The Disaster of War/Trojan Horses“, Neue Neue Galerie). Im gleichen Raum lag dann auch noch, fein säuberlich von Maret Anne Sara in einer meterlangen Vitrine ausgebreitet, der Ausdruck des norwegischen Gesetzes über das Halten von Rentieren – absurde Bürokratie, wie sie nicht nur in Norwegen in das Leben eingreift und uralte Erfahrungen zu regulieren versucht. Jetzt auch als Künstlerbuch (www.kasselerfotobuchblog.de/kunst-mit-realen-nazis/) gibt es die aus Reproduktionen (Fotos u.a. von Walter Frentz, Tita Binz, Fritz Kempe, eines von August Sander!) zusammengestellte Serie „Real Nazis“ (2017) von Piotr Uklanski, die in der Neuen Galerie um Hitler als Zentrum gruppiert ist. Erschreckend, doch der Vorgänger „The Nazis“ (1999, mit Abbildungen von Schauspielern in Nazi-Rollen) war subtiler. Uklanski hat auch Joseph Beuys (unterste Reihe, 7. von rechts) mit aufgenommen; die „Real Nazis“ fanden ihren Platz vor dem Raum mit Beuys´ nicht für die d14 abgeräumten Hauptwerk „Das Rudel“ (hier installiert 1976).

Fotobücher als Medium, die Welt mit Hilfe der Fotografie zu beschreiben, festzuhalten, zu verstehen oder zu kritisieren, werden im Übrigen von der documenta schlichtweg ignoriert. Der fotografisch dokumentierte Sektor des bürgerschaftlichen und studentischen Protests hätte perfekt zur d14 gepasst. Fotobücher waren auf früheren documenta-Ausgaben sehr wohl Ausgangspunkt für die (Wieder-)Entdeckung fotografischer Postionen wie zum Beispiel von Helen Levitt oder Ed van der Elsken (schon 1997!). Die Entwicklung in der aktuellen, lebendigen und üppig blühenden Szene fanden offenbar kein Interesse bei den Kuratoren. Anderenorts ist man da schon weiter mit dem Einbeziehen von Fotobüchern in Ausstellungen (zum Beispiel in Barcelona, www.kasselerfotobuchblog.de/phaenomene-des-fotobuchs/).

Fotografie allerdings kommt aber auf der d14 häufig vor, vor allem als Dokument. Zum Beispiel in Form einiger Bilder aus den zwanziger Jahren, die Tina Modotti in mexikanischen Landwirtschaftsschulen aufgenommen hat. Es geht dabei nicht um die berühmte Fotografin oder um das Wie ihrer Fotos, sondern um das, was sie aufgenommen hatte, eine Art Utopie, eine Hoffnung auf ein besseres Leben. Weiter ausgeführt wird das freilich nicht. Bei etlichen Werken dienen Fotos der Vergegenwärtigung von Vorstudien oder Vorzuständen, gehören zum Konzept bzw. sind Bestandteil eines Gesamtwerks. Nur gelegentlich sind Fotos als autonome Arbeiten zu sehen (zum Beispiel im Fridericianum ein Wiedersehen mit Alan Sekulas „Fishstory“ von der documenta 11; drei Geldautomaten aus der Serie „Busts“ von Manolis Baboussis; „Nisyros“ mit fotografierenden Strandbesuchern von Panos Kokkinias, alle drei Arbeiten aus dem Bestand des EMST). Von dort stammt auch die mit einer kontinuierlichen Performance verbundene Installation „Precarious Archive“ von Stefanos Tsivopoulos mit Fotos zur Geschichte Griechenlands 1963-2002. Dazu der Künstler im Text des Erläuterungsschilds: „Diese Sammlung konstituiert ein idiosynkratisches Archiv, das auf untypische archivarische Strategien anspielt, Repräsentationsmethoden in Frage stellt, über Bilder als vieldimensionale, von der Ökonomie angetriebene Hyper-Waren nachdenkt und schließlich die Idee der Sichtbarkeit in unseren mediatisierten Demokratien befragt“. Das hätte man mit „einfachen Worten“ niemals so überzeugend ausdrücken können.

Im Palais Bellevue wird eine Serie urtümlicher Heuhaufen gezeigt, die Lala Meredith-Vula im Kosovo und Albanien fotografiert hat, eine Typologie zufälliger Begegnungen mit den behutsam zum Trocknen des Grases aufgetürmten temporären Skulpturen, wie sie hierzulande durch die Mechanisierung der Landwirtschaft schon lange nicht mehr zu sehen sind. Großartig in den Konstellationen, im genauen Treffen des Momentums, sind die Fotos von Hans Haacke von der 2. documenta 1959, die zur historischen Abteilung der d14 gehören (die ansonsten in der Neuen Galerie ihren Platz hat). Haackes im Flur des Fridericianums hängenden Kontaktbögen (warum diese eigentlich?), vor allem daraus ausgewählte Vergrößerungen zeigen Publikum, Künstler und Kuratoren, wie sie der damalige Kunststudent erlebte. Akinbode Akinbiyi spürt (sogar in Kassel und Hamm/Westfalen!) dem urbanen Leben nach; seine in 12er-Blocks zusammengefassten Schwarzweißfotos sind im Ottoneum zu sehen.

Allgegenwärtig ist das Thema Migration. Das Leben von in Nordhessen Zugezogenen thematisiert Ahlam Shibli in der 2017 entstandenen Reportage „Heimat“. Diese wird, ordentlich ausgedruckt und gerahmt, von kleinen Texttafeln begleitet, auf denen zum Beispiel Folgendes zu lesen ist: „El Torito – Spanische Spezialitäten, Kassel, 08.03.2017. Maria Dolores Sabates Juliana kam 1973 aus Barcelona. Ihr Ehemann Adolfo Suarez war schon früher von Madrid aus nach Kassel gezogen. Er arbeitete als Gastarbeiter bei VW. Seine Frau Juliana wurde Spanischlehrerin und gab privaten Nachhilfeunterricht. 1999 eröffnete sie ihren Laden auf der Holländischen Straße. Herr Suarez ging 2009 in Rente.“ Die bildjournalistische Arbeit informiert freundlich und sachlich über Menschen, die man nicht kennt und versorgt den Betrachter mit pseudogenauen Informationen, die man nicht bräuchte, wiesen nur die Fotos über sich hinaus. „Heimat ist ein angeeigneter Raum. Sie existiert objektiv nicht in der Wirklichkeit“ wird Shiblis Kollege Santu Mofokeng im Begleittext der John Berger gewidmeten Serie zitiert. Man merkt, „Heimat“ zu fotografieren ist schwer, auch wenn es im Auftrag der documenta geschieht. Oder nicht? Denn am selben Ausstellungsort, dort aber schwerer zu finden, werden drei Serien von Ulrich Wüst gezeigt: „Stadtbilder“ (1980-83, also noch aus der DDR), „Morgenstraße“ (1998-2000) und „Dorf“ (2014-16) über die Gemeinde Nordwestuckermark. Man merkt sofort: Der Fotograf kennt sich aus. Mit gnadenloser Lakonie seziert er das architektonische Geflecht der Plattenbauen, der verlassenen Industrieanlagen und der stolzen Neubaugebiete und legt mit Präzision und Schärfe in insgesamt 76 kleinen „Silbergelatineabzügen“ frei, wie sich der Traum des Menschen nach einem schönen Leben materialisiert und wie schnell dies nach Abwanderung der Arbeitsplätze zu einem Alptraum werden kann. Wüst entspricht vermutlich ganz dem Credo der Kuratoren, weil er zurückgezogen lebt, nur von Zeit zu Zeit ein Fotobuch (wie „Morgenstraße“, 2001) sozusagen als Flaschenpost nach draußen schickt, aber sonst auf dem Markt praktisch nicht präsent ist, es sei denn, es ginge um unabhängige Positionen der späten DDR-Fotografie. Denn in dieser Schublade steckte Wüst bislang (was eine Last sein kann). Für das Publikum könnte die große Präsentation seiner zum genauen Hinsehen zwingender Arbeiten DIE Entdeckung jenseits der selbstgefälligen und plakativen „Fotokunst“ aus der Düsseldorfer Schule sein. In Athen wird von Wüst ein Leporello gezeigt, das aus einer Kombination von Fotos mit Zeitungsüberschriften besteht.

Nicht zuletzt durch seine zahlreichen Fotobücher bekannter als Wüst ist der Niederländer Hans Eijkelboom, dem eine weitere der seltenen originär fotografischen Positionen in Kassel zu verdanken ist. In Athen ist ein Video zu sehen, das der Konzeption von Eijkelbooms Buch „The modern Street Life“ folgt. Im Kasseler Stadtmuseum sind alle vier Wände eines Raums mit chronologisch gehängten, zwischen dem 9.1.1992 in Arnhem und dem 14.4.2017 in Amsterdam, ansonsten weltweit inklusive Kassel und Athen entstandenen Tableaus gefüllt, deren kleinen Bilder einzelne Passanten zeigen. Eijkelboom kombinierte die Fotos nach formalen Kriterien von Kleidung, Accessoires oder Haltung und erreicht so eine Aussage über die Gesellschaft, über Individualismus und Globalisierung. Die Kunst muss nicht unbedingt in Sackleinen und mit Parolen daherkommen; es geht auch mit Witz, ohne dass das als Karikatur oder in purer Oberflächlichkeit enden müsste.

Eijkelbooms obsessives Konzept war auf der documenta die Ausnahme. Die Welt ist schlecht, ganz ohne Frage, aber wie genau man damit umzugehen hat, kann auch die Kunst, so gesellschaftlich engagiert und politisch sie auch gedacht sei, nicht sagen. Kurator Adam Szymczyk war mit seinen Ansprüchen im Vorfeld der beinahe unübersehbaren Ausstellung zu Recht vorsichtig und sagte: „Für mich ist der Erfolg der Ausstellung, ehrlich gesagt, dass sie überhaupt stattfinden kann“ (Interview mit dem DLF, wie oben). Ob man nun von Athen oder Kassel lernen wird, ob die documenta ihren weltweiten Spitzenplatz als Ausstellungsinstitution halten oder ausbauen kann, muss offen bleiben. Sicher ist nur, dass sie in fünf Jahren wiederkommt.



PS Eine Anmerkung des Denkmalpflegers zu einem völlig anderen Thema sei noch gestattet: Die d14 ist global gedacht, sollte aber das Regionale nicht vernachlässigen. Der documenta-Nebenschauplatz „Henschel-Hallen“, gemeint ist das ehemalige Henschel-Werk Rothenditmold (Hammerschmiede), wird im „Map Booklet“ (S. 9) unzureichend beschrieben, denn die Firma Henschel wurde nicht während des Zweiten Weltkriegs aufgelöst, sondern in den 1960er-Jahren zerschlagen. Der Standort Hammerschmiede wurde erst 1998 von einer Nachfolgefirma aufgegeben; die ab 1871 errichteten Gebäude sind heute durch die Untätigkeit ihrer offenbar nicht an einer nachhaltigen Entwicklung interessierten Besitzer („Investoren“) stark gefährdet, was ein schönes Thema für eine d14 mit politischem Anspruch gewesen wäre. Militärtechnologie wurde im Übrigen dort nicht entwickelt, sondern im 1917 eigens dazu errichteten Henschel-Werk Mittelfeld. Und die Henschel-Flugzeugwerke befanden sich in Berlin und in Altenbauna, nicht in Kassel, wie die d14 in einer Pressemitteilung vom 30.6.2017 behauptete. Das Konzept des Entlernens treibt seltsame Blüten.
11.06.2017