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  Die Welt zeigen, wie sie ist


dass es da einen gebe. Salman Rushdie meinte dazu: es sei Chatwin vollkommen egal gewesen, ob seine Geschichten wahr, ihm sei es einzig darauf angekommen, dass sie gut gewesen seien. So einleuchtend ein solcher Standpunkt (literarisch gesehen) möglicherweise sein mag, physisches Reisen ist dafür nicht erforderlich.

Doch es gibt auch Reiseschriftsteller, die sich von gänzlich Anderem leiten lassen. Zum Beispiel V.S. Naipaul, dessen Maxime ist, die Wahrheit zu erzählen. Und wie macht man das? Indem man die Leute, die man trifft, sich gut anschaut und nichts als gegeben nimmt. Er fange mit einfachen Fragen an, sagte Naipaul in einem Gespräch mit dem Fotografen Raghubir Singh, und wenn man dann genau zuhöre, was die Leute zu sagen haben – er betont: genau zuhöre – könne man anfangen, zum menschlich Wesentlichen zu gelangen.

*

In einem Porträt des Schweizer Magnum-Fotografen René Burri auf Arte, meinte Hans Magnus Enzensberger bedauernd, diese Art der Fotografie werde wohl bald vorbei sein. Und in der Tat: der Fotoreporter, der die Welt bereist, um denen zu Hause von fremden Völkern und vergessenen Kriegen zu berichten (im Geiste einer humanitären Grundhaltung, wie sie für die Magnum-Kooperative typisch ist) scheint am Aussterben. Weil sich die Medienlandschaft gewandelt (heute bestimmen vor allem das Internet und Fernsehen und nicht mehr die Illustrierte das Bewusstsein) und damit kaum mehr Nachfrage (seitens der Medienmacher) nach solchen Bildern besteht.

Die ökonomisierte Gegenwart, deren Grundvoraussetzung und Motor die Gier ist, ist der grösste Feind des Lebens, denn er nimmt uns die Zeit, das wertvollste, das wir haben. Dem gegenwärtigen Konsumwahnsinn Einhalte gebieten zu wollen, scheint aussichtslos, doch die Nachfrage könnten wir, so wir denn wollten, durchaus beeinflussen.

Die Nachfrage, wenn vermutlich auch keine monetär verwertbare, nach Dokumentarfotografie wird bleiben. Weil sie einer tiefen Sehnsucht, die in uns allen steckt, Ausdruck verleiht: dass der Augenblick Bedeutung haben möge.

12.02.2017

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