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  Die Welt zeigen, wie sie ist - Seite 6


So sinnvoll die Unterscheidung von fiction und non-fiction auch sein mag, häufig geschieht sie recht zufällig, und manchmal ist sie auch nur irreführend. Um ein Beispiel aus dem Feld der Reisereportage (die der dokumentarischen Fotografie nahe steht) zu nehmen: als Bruce Chatwin einmal gefragt wurde, was für ihn der Unterschied zwischen fiction und non-fiction sei, antwortete er, er glaube nicht, dass es da einen gebe. Salman Rushdie meinte dazu: es sei Chatwin vollkommen egal gewesen, ob seine Geschichten wahr, ihm sei es einzig darauf angekommen, dass sie gut gewesen seien. So einleuchtend ein solcher Standpunkt (literarisch gesehen) möglicherweise sein mag, physisches Reisen ist dafür nicht erforderlich.

Doch es gibt auch Reiseschriftsteller, die sich von gänzlich Anderem leiten lassen. Zum Beispiel V.S. Naipaul, dessen Maxime ist, die Wahrheit zu erzählen. Und wie macht man das? Indem man die Leute, die man trifft, sich gut anschaut und nichts als gegeben nimmt. Er fange mit einfachen Fragen an, sagte Naipaul in einem Gespräch mit dem Fotografen Raghubir Singh, und wenn man dann genau zuhöre, was die Leute zu sagen haben – er betont: genau zuhöre – könne man anfangen, zum menschlich Wesentlichen zu gelangen.

*

In einem Porträt des Schweizer Magnum-Fotografen René Burri auf Arte, meinte Hans Magnus Enzensberger bedauernd, diese Art der Fotografie werde wohl bald vorbei sein. Und in der Tat: der Fotoreporter, der die Welt bereist, um denen zu Hause von fremden Völkern und vergessenen Kriegen zu berichten (im Geiste einer humanitären Grundhaltung, wie sie für die Magnum-Kooperative typisch ist) scheint am Aussterben. Weil sich die Medienlandschaft gewandelt (heute bestimmen vor allem das Internet und Fernsehen und nicht mehr die Illustrierte das Bewusstsein) und damit kaum mehr Nachfrage (seitens der Medienmacher) nach solchen Bildern besteht.

Die ökonomisierte Gegenwart, deren Grundvoraussetzung und Motor die Gier ist, ist der grösste Feind des Lebens, denn er nimmt uns die Zeit, das wertvollste, das wir haben. Dem gegenwärtigen Konsumwahnsinn Einhalte gebieten zu wollen, scheint aussichtslos, doch die Nachfrage könnten wir, so wir denn wollten, durchaus beeinflussen.

12.02.2017

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