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Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst
 
   

 
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  Die Welt zeigen, wie sie ist - Seite 3


Wir wollen, dass sie uns zeigen, was der Fotograf vorgefunden hat.
Zugegeben, das will nicht jeder. Für Digitalisten, wie Kevin Robins in the photographic image in digital culture schreibt, ist das zu wenig, ihnen waren die Möglichkeiten der herkömmlichen Fotografie immer schon zu begrenzt, waren der Imagination des Fotografen immer schon Schranken gesetzt. Doch sie wollten mehr: Freiheit in der Bildgestaltung, Kontrolle über den Prozess des Bildermachens. Ihnen war wichtig, uns die Welt zu zeigen, wie sie sie sehen wollten (und wir sie sehen sollten), und nicht die Welt, wie sie sich dem Kameraauge darbot. Die digitale Fotografie gab ihnen nun die verführerische Gelegenheit, Gott zu spielen – jedenfalls am PC. Jetzt konnte man abbilden, was sich im eigenen Kopf fand, jetzt konnte man tun, was früher die Maler getan: den Chip in den PC, ein paar Klicks mit der Maus, und fertig ist das Bild, das man gewollt. Nur eben: das ist eher Malerei denn Fotografie.

Nichtsdestotrotz: solcherart an Fotos rumzumachen ist in unseren Zeiten des Scheins (wo Fanatiker von „alternativen Fakten“ schwafeln und es durchaus akzeptabel scheint, sich Nasen, Brüste und Hintern zu korrigieren – als ob man sagen würde: wenn der Herrgott doch nur mich hätte machen lassen), kommt nicht allen Fotografen problematisch vor. Gleichzeitig scheint es jedoch auch keine Opposition zu geben, vom PC veränderte Fotos als solche zu deklarieren.

Also alles paletti? Hinzufügen, entfernen, ändern, macht, was ihr wollt, solange ihr nur schön deklariert, was ihr getan habt – ist das die Lösung? Selbstverständlich sollen die mittels PC veränderten Fotos als solche kenntlich gemacht werden, doch das ist genau so weit weg von einer Lösung wie die Büchsen, auf denen uns die Zusammensetzung ihres Inhalts mitgeteilt wird, in den Regalen unserer Supermärkte – kein Mensch, einmal abgesehen von kritischen Konsumenten, beachtet solche Kennzeichnungen. Wir kaufen die Büchsen, weil wir darauf vertrauen, dass uns die Hersteller nicht übers Ohr hauen wollen.

Genau so wollen wir auch darauf vertrauen können, dass der Fotograf uns nicht reinzulegen trachtet, dass er uns die Dinge zeigt, wie sie sind.

Doch ist die Vorstellung, die Wirklichkeit liesse sich von einem Kameraobjektiv einfangen, und zwar so, wie sie ist, nicht eine Illusion? Sieht denn nicht jeder die Welt sowieso auf seine eigene Art und Weise? Sicher, doch es gilt auch dies: wir wissen zwar nicht, ob, wenn wir eine gerade aufgegangene Rose uns anschauen, unser Nebenmann dieselbe Rose sieht. Doch wir (mit Ausnahme vielleicht des gegenwärtigen amerikanischen Präsidentendarstellers) gehen davon aus. Nicht zuletzt, weil sonst die Augenärzte wohl heillos überfordert wären.

12.02.2017

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