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  Die Welt zeigen, wie sie ist
von Hans Durrer

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Schlagworte: Dokumentarfotografie, Ende der Dokumentarfotografie, Wirklichkeit, fiction, non-fiction, Zeitalter der Gier

Die Welt zeigen, wie sie ist

Es ist ein alter Traum: Dokumentarfotos sollen die Wirklichkeit so darstellen, wie sie ist– und nicht wie wir sie gerne hätten. Doch gerade heute macht die digitale Technik das Lügen mittels Fotos immer leichter. Droht das Ende der Dokumentar-Fotografie?

von Hans Durrer


„Auf Fotos“ so Susan Irvine in einem einige Jahre zurückliegenden Sunday Telegraph Magazine über den Designer Calvin Klein, „sieht er attraktiv, gebräunt, wie die typische amerikanische Erfolgsgeschichte eben, aus. Im richtigen Leben wirkt er hingegen verwelkt, gebeugt, nervös von einem Fuss auf den andern tanzend.“

Ceci n’est pas une pipe kommentierte der Maler René Magritte sein Bild einer Pfeife. Ein Bild einer Pfeife ist also immer nur gerade das: ein Bild einer Pfeife. Das gilt auch für Fotos, obwohl – und ganz anders als Gemälde von Pfeifen – sie uns eigenartig real vorkommen.

Schauen wir uns Fotos an, so gehen wir davon aus, dass sie uns zeigen, wie etwas einmal ausgesehen hat; und obwohl wir wissen, dass an ihnen manchmal herumgebastelt wird, gehen wir doch davon aus, dass sie uns die Wirklichkeit zeigen, wie sie vorgefunden wurde, ja dass sie wahr sind – bis jemand kommt und uns zeigt, dass sie manipuliert worden sind. Geschieht dies, so fühlen wir uns getäuscht, denn wir erwarten von Fotos, dass sie uns the real thing und nicht etwa ein fake zeigen.

Sicher ist: manipuliert wurden Fotos schon immer, doch dass solches die Regel, lässt sich kaum behaupten, und auch wenn wir diesbezüglich keine einschlägigen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zitieren können (es sei gestanden: wir haben uns auch gar nicht darum bemüht), sind wir uns dennoch gewiss, dass dem Menschen Fotos vor allem Erinnerungs- und Beweisstücke sind – und nicht zuletzt deswegen will er sie echt, und will er sie wahr. Denn auch der moderne Mensch von heute, dem fast alles relativ und selten etwas klar, will weder angelogen noch seiner Geschichte beraubt werden.

12.02.2017

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